Inklusion – Wie geht das digital?

Was heißt Inklusion? Wie erschaffe ich das in meiner Projektarbeit, sei es in meinem Team, meinem Inhalt oder meiner Kommunikation? Wir haben uns sehr gefreut, zum 3. digitalen CAT-Gipfel Lilian Masuhr von den Sozialhelden begrüßen zu dürfen, die einer Gruppe von Jugendlichen aus ganz Deutschland viele wertvolle praktische Tipps geben konnte.

Inklusion vs. Integration

Einen interessanten Einstieg in die Thematik bietet die Auseinandersetzung zur Frage was Inklusion bedeutet. Inklusion kann als Zustand definiert werden, in dem es für jede*n möglich ist, sich zu beteiligen, und das ohne sich anpassen zu müssen, so fanden die Teilnehmenden. Im Gegensatz zur Integration, die den Prozess beschreibt, durch den sich einige anpassen müssen, um inkludiert zu werden. Erfolgreiche Inklusion bedeutet daher, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle in der gleichen Haltung wie alle anderen sind, um partizipieren und beitragen zu können.

Alter, ethnische oder soziale Herkunft, Religion, Aussehen, Geschlecht, sexuelle Identität, sexuelle Orientierung: Viele Merkmale können als Behinderungen erlebt oder behandelt werden. Manche sichtbar, manche unsichtbar. Die Teilnehmenden wurden dann in kleinen Gruppen eingeladen, sich diese unbequeme, aber gedankenanregende Frage zu stellen: Bin ich jemals behindert gewesen?

Inklusion in der Praxis

Inklusion ist in erster Linie eine Frage der Vielfalt im Team und auf allen Ebenen: Es macht Sinn zuvorderst auch die eigenen Arbeitserfahrungen zu analysieren und über mögliche Gründe für eine mangelnde Inklusion z.B. im Team nachzudenken – wer ist nicht im Team und will oder kann unter den gegebenen Bedingungen nicht Teil des Teams sein? Inklusion bedeutet, allen eine Stimme zu geben und zu bedenken, dass jede*r in einer besseren Position ist, über sich selbst zu sprechen. Auch die Frage nach der Organisation und den Arbeitsmethoden ist in diesem Kontext von Bedeutung. Rhythmen, Stile: Es gibt viele verschiedene Wege zum gleichen Ziel. Inklusive Arbeit bedeutet zunächst einmal, die eigene Arbeitsweise relativieren zu können und die Zeit in einer angepassten Weise zu organisieren.

„Nennt mich nicht Flüchtling“

Sowohl in der Gesellschaft als auch in der Projektarbeit zählt die Wortwahl. Sprache bringt für Zuhörende das Gefühl von Ausgrenzung oder Inklusion mit sich. In ähnlicher Weise trägt der Standpunkt, der in visuellen Darstellungen eingenommen wird, dazu bei, ein Bild von den dargestellten Personen zu formen. Welche Perspektive auf Behinderung sehe ich auf diesem Foto? Wird die Person als Subjekt oder als Objekt porträtiert? Kann ich mich identifizieren? Kann ich mich auf eine Gruppe von Menschen beziehen, ohne zwischen ihren Mitgliedern zu unterscheiden? Oder welche Hierarchien werden z.B. durch die Verwendung der Worte „Hilfe“ oder „Entwicklungsländer“ hervorgerufen? Auch hier waren die Teilnehmenden eingeladen, über eine Vielzahl von Beispielen aus dem echten Leben nachzudenken.

Barrierefreie Kommunikation

Videos, Podcasts, Bilder, Texte, digitale Veranstaltungen, Videoanrufe: Was sollte ich in meinen Kommunikationsmaterialien und anderen Online-Veranstaltungen beachten? Letztlich bot Lilian von den Sozialhelden*innen eine Fülle von Ratschlägen und praktischen Tools, um Inklusion digital besser zu ermöglichen. Audiodeskriptionen, Untertitel, leichte Sprache, Transkripte, Alternativtexte: Dafür gibt es zahlreiche Softwareprogramme und Add-ons.

Auf Youtube können Video und Transkript automatisch synchronisiert werden, um Untertitel zu erstellen. Die so als srt-Datei erstellten Untertitel können wiederum zusammen mit dem Video auf Facebook hochgeladen werden.

Auf Facebook ist es auch möglich, ein Bild mit einem alternativen Text hochzuladen, der das Bild kurz beschreibt – die automatische Funktion, die fFcebook zu diesem Zweck zur Verfügung stellt, bleibt bis heute zu lakonisch, um zufriedenstellend zu sein. Dieser Text kann dann während der Anzeige mit einem Screenreader-Software gelesen werden. Die gleiche Vorgehensweise ist auch bei Twitter und WordPress möglich.

Ebenso ist es möglich, Texte durch eine klare Struktur und einen höheren Kontrast leichter lesbar zu machen. Zu diesem Zweck sollten die Wave-Tools von Webaim bevorzugt werden.

Für Online-Meetings bieten Zoom, Microsoft Teams, Skype und Jitsi eine Bild- und Tonqualität, die sie relativ barrierefrei macht. Für Live-Untertitel muss ein*e Schrift- oder Gebärdensprachedolmetscher*in bereitgestellt werden.

Der Weg zur Inklusion ist lang, aber die Möglichkeiten sind vorhanden! Danke an alle Teilnehmenden für’s aktive Mitgestalten des Workshops und an Lilian, die uns zum Ziel Inklusion geführt hat!