bridge-it! Award 2020

„Partnerships in Times of Crisis“

– Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner*innen des bridge-it!-Eine-Welt-Awards 2020!

 

“You may encounter many defeats, but you must not be defeated. In fact, it may be necessary to encounter the defeats, so you can know who you are, what you can rise from, how you can still come out of it.”
Maya Angelou, poet and activist

 

DIE GEWINNER*INNEN 2020

Bis zum 17.11.2020 konnten sich Süd-Nürd-Partnerschaftsprojekte wieder für den diesjährigen bridge-it!-Award: “Partnerships in Times of Crisis” bewerben. Die Mitglieder unserer Jury trafen sich am 07. Dezember 2020 und wählten aus allen Bewerbungen die Top10 Projektgruppen aus.

Der bridge-it! Award stand im Jahr 2020 unter dem Motto „Partnerships in Times of Crisis.“ Er wurde zum 9. Mal verliehen und zeichnete herausragende Süd-Nord-Partnerschaften von Jugendlichen aus. Die Jury hatte bis und während der Jurysitzung am 07. Dezember erneut die schwere Aufgabe, eine Wahl zu treffen. Es war in diesem Jahr ganz besonders spannend, da viele der Gruppen kreative Lösungen im Umgang mit der aktuellen Situation gefunden haben und sogar neue Wege gegangen sind. Es ist der Jury entsprechend schwer gefalle, denn unter den Bewerbungen waren deutlich mehr sehr gute Projekte, als auf zehn Plätze passen. Auch die Entscheidung um Platz 3 brachte einen intensiven Austausch in der Jurysitzung mit sich – am Ende haben wir den dritten Platz doppelt besetzt.

ELECTRONIC-MEET-UPS & CHANGE-AGENTS-TAGUNG 2021

Hier könnt ihr die besten 12 Projekte kennenlernen.

Sie werden zu unserer Change-Agents Tagung vom 15. bis 18. März 2021 in Kirchmöser (Brandenburg) eingeladen.

Das besondere ab diesem Jahr: Die Gewinner*innen gestalten das Programm im Vorfeld selbst mit lernen sich virtuell an drei Terminen rund um die CAT kennen: den Electronic Meet-Ups (EMU). Die Top3 bekommen ein Preisgeld in einer Gesamtsumme von 1500€.

SENIOR AWARD 2020

In diesem Jahr war auch beim Senior Award die Entscheidung für die Jury nicht einfach. Deshalb gibt es erstmal zwei erste Plätze beim Senior-Award! 

Herzlichen Glückwunsch: Den ersten Platz belegen Blandine Parlé und Theresia Heuser! Eure Projektgruppen wertschätzen mit der Nominierung euer Engagement auch über die Unterrichtszeit hinaus und geben uns einen Einblick in ihre einzigartigen Erfahrungen. In der Nominierung schreiben sie:

„Unser Burkina Faso Austausch mit Blandine und Theresia Nach etlichen abendlichen Besprechungstreffen, vielen selbstgestalteten Infoabenden, an denen besonders Theresia, die sogar Blitz-Französisch-Kurse anbot, alles daran setzte uns das zuvor fast ganz unbekannte Land Burkina Faso nahezubringen, nahm unser außergewöhnliches Projekt endlich Gestalt an. Die ganze, beinahe Jahrelange Planung hatte sich ausgezahlt, das Warten bis die Visa genehmigt wurden und die ständige Sorge, dass noch etwas schiefgehen könnte. Im Herbst 2018 kam Besuch aus weiter Ferne in Köln Bonn am Flughafen an. Die drei Schülerinnen Awa, Rachiratou und Sadiata wurden gemeinsam mit ihrer Lehrerin Blandine und unserem “Kontaktmann” in das Ungewisse gestürzt. Zunächst war die Stimmung etwas unsicher, auch aufgrund der Sprachbarrieren, doch schnell taute sie auf. Überall gab es Neues zu entdecken, Zeit zu lachen und mehr als eine Stadtführung durch das verregnete Köln zu erleben. Wir nahmen gemeinsam mit unseren Austauschschülerinnen am Französischunterricht teil, während Blandine und Mamadou einige Klassen unserer Schule besuchten und viele neugierige Schüler anlockten und mit unserem Projekt vertraut machten. Ein definitiver Höhepunkt war unser Tagesausflug zum Holländischen Meer und anschließenden Picknick und Wikingerschach. Als Theresia begann, im Sand zu tanzen und Ninja zu spielen lockerte die noch etwas ermüdete Stimmung schnell auf. Wir wateten mit den Füßen im kalten Meer und einige, auch Blandine, trauten sich sogar auf Ermutigung und Anfeuerung hin, ein wenig zu schwimmen. Der Abend endete damit, dass wir alle eingequetscht in einem Imbiss saßen und ausgelassen miteinander Pommes aßen und spät in der Nacht in Theresias Wagen hinten Gitarre spielten. Bei all den fremden Eindrücken galt es dann noch für uns, selbstzubereitete burkinische Spezialitäten zu kosten. Blandine und Theresia begaben sich auf die Suche nach den richtigen Zutaten, was zu einer ausgiebigen Essen-shoppingtour ausartete. Unter den Argusaugen von Awa, Sadiata und Rachiratou und Blandine kochten wir gemeinsam das Festmahl und saßen schließlich mit Eltern und Freunden in der Schule und lauschten Mamadous Abschiedsrede. Die zwei Wochen hatten uns zusammengeführt und einen neuen Blickwinkel für alle Beteiligten ermöglicht. Beinahe genau ein Jahr später war es uns endlich möglich, den Austausch zu erwidern. Die Mädchen, Mamadou und Blandine holten uns vom Flughafen ab und los ging die Reise. Theresia war eine große Unterstützung mit ihren Französisch Kenntnissen. Oft hatte sie Wörter parat, die uns fehlten, doch besonders die Male, an denen niemand so recht wusste, wie die Übersetzung war, blieben bei mir im Gedächtnis. Bei unseren beinahe täglichen Ausflügen zu Schulen, in das Dorf der Mädchen und zu ihren Familien konnte sie helfen, die ersten Momente, in denen man sich noch fremd war, aufzulockern; durch ihr Lachen, ihre Witze und ihr ständiges Interesse. Blandine suchte immer Kontakt zu uns Schülerinnen und fragte, wie es uns ging und wie uns der Tag gefallen hatte. Wir wurden sogar zu ihr nach Hause zum Essen eingeladen und hockten alle zusammen in ihrem Wohnzimmer um den Tisch herum und lernten ihre Familie kennen. Manchmal, wenn die Leute an dem Ort, den wir besuchten, nicht viel Französisch sprachen, musste sie zunächst von mòoré für Theresia übersetzen, die das verstandene dann auf deutsch für uns weiter trug. Als wir eine Führung an einer Kläranlage hatten, musste Theresia ständig die schnellgesprochenen Fakten des Leiters übersetzen und uns erklärbar machen. Diese und noch weitere Hindernisse meisterten Theresia und Blandine, oft auch gemeinsam, und brachten Spaß und Freude in das Projekt mit, so dass man jetzt mit viel Lächeln im Herzen und ein wenig Wehmut an die einzigartige Zeit zurückdenkt.“

Den ersten Platz gewonnen haben außerdem Jill Markram und Michael Blum, denen wir auf diesem Wege für das außerordentliche – und langjährige – Engagement danken. Wir wünschen dem Projekt weiterhin viel Erfolg, Kraft und Ausdauer! In der Nominierung schreiben ihre Projektgruppen: 

„Eine Freundschaft, die fürs Leben hält! 2014 haben Jill Markram und Michael Blum die Partnerschaft zwischen der Eersterivier Secondary School und dem Carl-Orff-Gymnasium erstmals ins Leben gerufen. In gemeinschaftlicher Regie entstand damals das erste gemeinsame Stück „Uncut“. Als damals 13 Jährige, hat uns das Stück nachdrücklich beeindruckt und als wir zwei Jahre später selbst an diesem Austausch teilnehmen durften, war das wie Ostern und Weihnachten zusammen. Damals ist uns auch klar geworden, wie viel Arbeit so ein Austausch mit sich bringt und wie gut die beiden das meistern. Als „Powerduo“ haben Jill und Michi es geschaft 25 Teenager aus zwei kulturell und ökonomisch doch recht verschiedenen Ländern, zu einer Familie zusammenzuschweißen. Durch die ausgiebige Vorbereitung und Vorarbeit konnten wir Schüler uns auf Augenhöhe begegnen und als Team arbeiten. Über wiederkehrende Austausche haben wir untereinander eine so starke Bindung aufgebaut, wie sonst zu wenigen Menschen in unserem Leben. Wir haben Freundschaften geschlossen, die trotz geographischer Distanz ein Leben lang halten werden. Das ist aber NICHTS im Vergleich zu der Freundschaft, die Jill und Michi verbindet. Neben Aufführungen auf internationalen Theaterfestivals, dem Alexanderplatz in Berlin und dem Volkstheater in München, haben sie es geschafft, uns mit ihrer Freundschaft zu inspirieren. Übrigens: Diese Freundschaft geht durch dick und dünn und trotzt sogar Corona. Über Michael Blum und Stefanie Höcherl hat das Carl-Orff-Gymnasium 10.000 Euro gesammelt, die nun in Raten nach Eesterivier transferiert werden, um Hunger und Mangel in der Community entgegenzuwirken.“

 


Begriffe und Hintergrund:

Die Welt unterliegt immer rascheren Veränderungsprozessen. Die zunehmende Globalisierung, das Internet, Facebook & Co. lassen die Welt zwar immer näher zusammenrücken, doch gleichzeitig entfernen wir uns weiter voneinander und die globalen Herausforderungen für uns alle wachsen: Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt zu, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Klimawandel schreiten voran und machen uns auf drastische Weise klar, dass wir unsere Lebens- und Verhaltensweisen dringend verändern müssen.

„Globales Lernen“ und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

„… bedeuten für uns, mit Euch/Ihnen in Zeiten der Globalisierung zu lernen. Wir nehmen globale Zusammenhänge unter die Lupe: Welche Rolle und Verantwortung haben wir in der Weltgesellschaft? Kritisch und optimistisch entwickeln wir Zukunftsvisionen von einer gerechten, friedlichen Welt, in der natürliche Ressourcen geschont werden. So entdecken wir gemeinsam Möglichkeiten, die Globalisierung jetzt gerecht zu gestalten.“ (EPIZ Reutlingen)

Globaler Süden/ Globaler Norden

Mit dem Begriff Globaler Süden wird eine im globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als Ausgebeutete und einmal als Profitierende. Die Einteilung Süd und Nord ist zwar auch geografisch gedacht aber nicht ausschließlich. Mit dem Begriffspaar Globaler Norden/Globaler Süden wird versucht, unterschiedliche Positionen in einem globalen Kontext zu benennen, ohne dabei wertende Beschreibungen wie z.B. „entwickelt“, Entwicklungsländer“ oder „Dritte Welt“ zu benutzen. (Glokal e.V.)

Globale Entwicklungsziele

Die Vereinten Nationen wollen bis 2030 Hunger und extreme Armut auf der ganzen Welt beseitigen. Die UN-Vollversammlung verabschiedete die sogenannten Nachhaltigen Entwicklungsziele, in Englisch Sustainable Development Goals genannt (SDGs). Es geht um nicht weniger, als die Welt zu verändern – so heißt es in den Vereinten Nationen. Den Weg dahin beschreiben die Nachhaltigen Entwicklungsziele.
17 sind es an der Zahl mit stolzen 169 Unterzielen: Kampf der Armut, dem Hunger, dem Klimawandel sind darunter. Dazu kommen Einsatz für Bildung, Umweltschutz und friedliche Gesellschaften. Bis 2030 will die Weltgemeinschaft diese Ziele erreichen, eine entsprechende Selbstverpflichtung vereinbarten die Mitgliedsstaaten bei ihrem Gipfel in New York in 2016. Der neue Katalog knüpft an die Millenniumsziele aus dem Jahr 2000 an. Davon wurden zwar nicht alle erreicht – immerhin aber gelang es aber, die extreme Armut auf der Welt zu halbieren.

Große Transformation

Meint einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel hin zu einer sozial und ökologisch gerechteren, nachhaltigeren, achtsameren Welt. Damit einher gehen viele verschiedene Prozesse, die miteinander verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen, z.B. Energie- und Mobilitätswende, Postwachstum, Dekolonisierung. Beispiele eines Zusammenlebens im Zeichen solcher Prozesse sind Transition Towns (‘Städte im Wandel”), in Deutschland zählen z.B. Leipzig, Essen und Tübingen dazu. Transformatives Lernen (z.B. GL und BNE) spielt eine zentrale Rolle für Veränderungsprozesse. Neue Arten des Miteinander-Seins und -Lernens zu finden ist ein wichtiger Hebel, um gesellschaftlichen Wandeln, anzuregen, zu katalysieren und zu begleiten.

Change Agents

Unter Change Agents verstehen wir diejenigen unter euch, die sich als Multiplikator*innen für eine andere (globale) Gesellschaft einsetzen,, indem sie Ideen und Wissen über Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Zusammenhalt in Projekte und Aktionen übersetzen. Change Agents leben damit Wandel (vor) und regen Veränderungsprozesse an. Um dies zu würdigen und zu unterstützen, veranstaltet bridge-it! jährlich eine Tagung gemeinsam mit Teilnehmer*innen des bridge-it! Awards und anderer Projektgruppen, die in Süd-Nord-Partnerschaften stehen.


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